Mehrgewicht

Ja, ich bin mehrgewichtig!

Warum? Das hat viele Gründe, aber keiner davon geht irgendjemanden -außer mir selbst- etwas an!
Trotzdem ein kurzer Einblick? Falsche Erziehung, falsche ärztliche Beratung, Mobbing, Traumata, Essen als Instrument, besonders um ein Kind zu beruhigen und ruhigzuhalten, Stoffwechselstörung…
Hättest Du das gedacht?
Natürlich habe ich auch, nach all dem, noch zum Problem beigetragen: lange falsches Essen, Essstörung, Verweigerung und Coping-Mechanismen ganz vorne an.
Ich habe meinen Körper lange Zeit gehasst, weil ich nach Diskriminierung, emotionaler Gewalt und dem Streben nach falschen Idealen selbst daran geglaubt habe, dass mein Körper und damit ich selbst, verachtenswert seien…

Aber:
Ich habe nur diesen einen Körper, der schon viel Leid ertragen hat, der trotzdem jeden Tag mein ist, und mein Selbst beinhaltet.
Warum sollte ich ihn dann nicht selbst annehmen und lieben, so wie er ist? Warum sollte ich nicht akzeptieren, was in diesem Moment ist, wie es ist?
Warum sollte ich jemandem anderen das Recht geben, über mein Äußeres zu richten, es zu beschämen und mir damit Gewalt anzutun?
Dafür gibt es keinen Grund!
Ich darf so sein, wie ich bin!

Verherrliche ich deswegen mein Mehrgewicht? Nein! Ich bin mir meines Mehrgewichts und der Konsequenzen jederzeit bewusst, es liegt aber allein in meiner Hand damit umzugehen! Zusätzlich sorgt allein schon die Gesellschaft dafür, das ich mein Anderssein nicht vergesse.
Darf ich trotzdem meinen Frieden mit dem Thema haben? Ja!
Es ist mein Recht!

Und das darfst JEDER!
Milder mit sich selber sein und friedvoll mit sich umgehen, ohne dass da irgendjemand seinen Senf zu gibt!

P.S. Es geht nicht darum Mehrgewicht schönzureden, sondern darum aufzuzeigen, was damit verbunden sein kann und das niemand das Recht hat, sich ein oberflächliches Urteil zu erlauben!

Die Folgen:

Die Folge von Mehrgewicht = man könnte meinen, es sei körperliche Krankheit…

Aber ist es wirklich so simpel?
Hierzu kann ich natürlich nur von mir bzw nur bedingt von Anderen sprechen, und auch wenn jeder Mediziner, jede Pflegekraft und jede:r Oberschlau jetzt nach Diabetes, Cholesterin und Blutdruck schreit, habe ich nichts davon -im Gegensatz zu vielen schlanken Menschen- und viele Leute in meiner Situation haben es ebenfalls nicht! Diese Schublade darf also geschlossen bleiben! Einfach verkneifen! 🤬

Was ist aber mit den nicht messbaren Folgen, wie zb den seelischen Folgen von Fatshaming, Mobbing, Diskriminierung, emotionaler Gewalt usw. und den daraus resultierenden seelischen Wunden, welche noch weitere Folgen haben?

Werter Mensch, mit welchem Recht nimmst Du Dir heraus, einem Menschen diese Dinge anzutun? Denn diese Probleme kommen nicht von einer Figur, oder einer Zahl auf der Waage, sondern von den Menschen, die ihre Zunge nicht beherrschen können, wenn sie mehrgewichtige Menschen vor sich haben!
Was ist außerdem mit dem daraus resultierenden Selbsthass, den Selbstzweifeln, der Verzweiflung, dem seelischen Schmerz, den Depressionen… die, durch diese Taten entstehen? Was ist mit den seelischen Folgen, die durch die Taten von Anderen entstehen?
Welches Recht nimmt sich jemand heraus, mir und anderen Betroffenen, das anzutun?!

Seelische Gewalt ist nicht akzeptabel, aber genau damit sind mehrgewichtige Menschen täglich konfrontiert! Shame on you!

Es ist ein Gesellschaftsproblem, bestehend aus fehlendem Respekt, Distanzlosigkeit und fehlender Aufklärung über Ursachen/Wirkungen und Hintergründen!
Warum? Weil jeder sich das Recht heraus nimmt, über jeden eine Meinung zu haben, bzw glaubt, die Ursachen für das Mehrgewicht und für die jeweiligen Problemlagen zu kennen…
Falsch gedacht!

Die Moral von der Geschichte?
Frage nach und höre zu.
Aber unterlass das elendige Schubladendenken und Belehren.
Die seelischen Folgen Deiner Worte & Handlungen können für den betroffenen Menschen erheblich schlimmer sein, als es die körperlichen Folgen des Mehrgewichts je könnten!

Selbstliebe und Verherrlichung

Selbstliebe – alles nur falsche Verherrlichung?

Verherrlichen wir unser Mehrgewicht, indem wir uns im Bikini zeigen, Kleider tragen, oder zeigen was wir essen?
Fordern wir damit zu einem ungesunden Lebensstil auf? Bewerben wir einen ungesunden Lebensstil? Oder was machen wir da, wenn wir es wagen, uns zu zeigen und es wagen uns wohlzufühlen?

Könnte es vielleicht auch sein, dass wir einfach Frieden mit uns selbst geschlossen haben, dem Druck der Gesellschaft nicht mehr zur Verfügung stehen, uns anfangen zu entspannen, das positive Gefühl für uns selber wieder finden und von hieraus anfangen können, unser Leben zu ordnen und zwar ohne ständig den Pranger und Vorschriften im Nacken zu haben?!

Denkanstoß: Wann gehe ich im Alltag potentiell besser mit etwas um, wenn ich etwas liebe, akzeptiere und die Verantwortung dafür übernehme, oder gehe ich besser mit etwas um, wenn ich etwas verabscheue, alle Menschen mir sagen wie schlecht/falsch ich bin, es mir eine Last ist und ich es dann am liebsten weg haben wollen würde? Was übrigens zu Frust und Leid führt…

Die Gegenüberstellung beinhaltet Fürsorge vs. Ablehnung…
Durchaus möglich, dass Fürsorge und Liebe mehr positive Effekte haben, als Ablehnung, Druck und emotionale Gewalt sie je haben werden… Nur mal so als Denkanstoß…

Von verherrlichen müsste man sprechen, wenn unreflektiert etwas negatives angepriesen und gefördert wird. Aber darum geht es doch garnicht, wenn man sich selbst akzeptiert und zu lieben lernt.
Nur weil ich mich annehme und liebe, wie ich bin, verherrliche ich nichts und es heißt auch nicht, dass ich immer so sein muss/möchte, wie ich bin. Ich kann mich akzeptieren, wie ich bin und trotzdem Verbesserungspotential an mir sehen und dementsprechend handeln.

(Selbst-)Liebe macht nicht blind für Tatsachen, sondern Liebe respektiert, hütet und pflegt. Darum ist es möglich sich selber zu lieben, das auch nach außen zu kommunizieren, zu zeigen und gleichzeitig aber auch den Abnehmbedarf zu sehen und danach zu handeln, denn in der Regel sorgt man gut für das, was man liebt…

Selbstliebe und Akzeptanz ist absolut nicht mit Verherrlichung gleichzusetzen!

Selbstliebe leben

Selbstliebe leben – praktisch betrachtet

Ein Gedankenspiel:
Wie verhält sich ein Herzensmensch Dir gegenüber?
Ist dieser Mensch mit Dir befreundet? Mag dieser Mensch Dich bedingungslos, egal in welcher fleischlichen Hülle Du steckst? Oder würde dieser Mensch dich wegen irgendwelcher Proportionen schlecht behandeln, oder Dich deswegen nicht lieben? Würde dieser Mensch loyal zu Dir stehen, fürsorglich und nachsichtig sein, egal wie Du aussiehst?
Welche Worte würde dieser Mensch für Dich finden? Aufmunternde? Ehrliche? Bestärkende? Oder würde Dein Herzensmensch Dich wegen Äußerlichkeiten/Deinem Gewicht abwerten, dich niedermachen und schlechtreden?
Wie würde dein Herzensmensch mit Dir umgehen?

Kannst Du Dir vorstellen, Dir selber dieser Herzensmensch zu sein?

Als Menschen haben wir nur diesen einen Körper! Würde es da nicht Sinn ergeben, Frieden mit ihm zu schließen, egal wie er gerade ist und MIT ihm zu agieren, anstelle einen dauernden Kampf zu führen und immer gegen ihn zu agieren?
Sich selber zu lieben, heißt nicht alles an/in sich gutzuheißen, oder zu verherrlichen. Es heißt aber sich selber ein Herzensmensch zu sein. Sei daher ehrlich zu Dir, aber nicht hart, oder grausam, sei realistisch, und trotzdem wohlwollend.
Ja, Du hast Dein Gewicht, aber Du bist nicht dieses Gewicht. Du darfst Dich lieben, egal was Zahlen anzeigen, was andere Menschen sagen, oder was ein Spiegelbild reflektiert, bedingungslos!

Schließe Frieden mit Deiner Ablehnung: Es ist ok, wenn Du etwas an Dir nicht magst, und aktuell auch nichts dafür, oder dagegen unternehmen willst/kannst.
Selbstliebe zu leben muss nicht unbedingt heißen, dass Du krampfhaft alles an Dir mögen musst. Selbstliebe heißt auch, dass Du deinen Frieden mit Deiner Ablehnung schließt und dass Du ihr Dein ja gibst, sei milde mit dieser Ablehnung.
In dem Moment, wenn Du Dir selber Dein ja gibst, beruhigt sich der Kampf in Dir und Du kommst zur Ruhe.

Handle selbstbestimmt: Es ist legitim etwas an sich verändern zu wollen, da es Dein Körper und Deine persönliche Entscheidung ist. Es ist aber auch ebenso legitim die Entscheidung zu treffen, sich so zu nehmen/belassen, wie man bist.
Es ist Dein Körper und über den entscheidest nur Du alleine, egal was irgendwelche Glaubenssätze, Deine Erziehung oder sonstwer aus der Gesellschaft Dir vorgeben möchte! Handle mit Respekt und Fürsorge, denn das ist es, was Dein Herzensmensch machen würde.

Sei wohlwollend und milde zu Dir: Niemand hat das recht, Dich zu etwas zu zwingen, oder Dich für Deine Entscheidung/Meinung zu verurteilen! Auch Dein Herzensmensch würde dies nicht tun. Ein Herzensmensch begleitet Dich auf Deinem Weg, egal welchen Weg Du gehst, zwingt Dich aber nicht zu etwas, oder verurteilt Dich auch nicht für etwas. Du bist ok, so wie Du bist!

Autenthisches Sein: Egal in welcher körperlichen Hülle Du steckst, Du darfst Du selber sein. Nichts anderes würde sich Dein Herzensmensch von Dir selber wünschen. Er liebt Dich, gerade weil Du Du selber bist.

Setze anderen Grenzen: Du übernimmst gezielt Verantwortung für Dein Wohlbefinden, indem Du Dir über Tatsachen bewusst bist, für Dich selber einstehst, indem Du Deinen Standpunkt kommunizierst, und Außenstehenden klare Grenzen aufzeigst. Niemand hat das Recht, Dich zu diskriminieren, zu beleidigen, oder Dir in irgendeiner Form Gewalt anzutun.
Selbstliebe bedeutet, für sein Wohlergehen einzustehen.

Sei in Dir zuhause: Du kennst Dich selbst am besten. Da ist es Zeit in Dir selber anzukommen. Dies bedeutet, sich in sich selber zuhause zu fühlen, sich selber zu vertrauen, sich zu kennen und sich selber bewusst zu sein, auf sich achtzugeben und in sich zu ruhen, mit einer wohlwollenden Akzeptanz sich selber anzunehmen und sich selber zu lieben, wie es unser Herzensmensch machen würde.

Egal wie wir aussehen, oder wieviel Mehrgewicht wir haben. Dein Herzenzmensch nimmt Dich wie Du bist, bedingungslos!
Vielleicht möchtest Du Dir selber Dein Herzensmensch sein. Es geht nich um Perfektion, sondern darum, sich auf den Weg zu machen und ihn zu gehen…

Die Anderen – Mehr als Grenzen setzen

Es ist an der Zeit umzudenken

Bisher habe ich davon geschrieben, sich mehrgewichtig selbst zu lieben, unteranderem dadurch, sich selbst zu akzeptieren und anderen Menschen Grenzen zu setzen.

Was ist aber, wenn die Grenzüberschreitung nicht das eigentliche Problem ist, sondern nur die Wirkung einer ganz anderen Ursache?
Einer Ursache, die nicht greifbar ist, ist es schwer direkt Grenzen aufzuzeigen.

Es geht hierbei um internalisierte Vorstellungen, wie ein Mensch zu sein hat, auch um das Rollenverständnis zb von Eltern, Lehrern, Ärzten etc.
In ihrem Rollenverständnis ist kritisieren und korrigieren eines anderen Menschen ein wesentlicher Bestandteil beim erziehen und behandeln. Dem Arzt (zB) kann man die verbale Grenze setzen. Was macht man aber mit dem Rollenverständnis/dem Berufsethos etc?

Wir können zwar dem entsprechenden Menschen die Grenze aufzeigen, aber leider ändert das noch nichts an Erziehungs- und Ausbildungsstrukturen, gesellschaftlichen Normen, oder Machtgefällen zwischen Eltern Kind, Lehrer Schüler, Arzt Patient, … , worüber mehrgewichtigen Menschen oft und viel emotionale Gewalt durch Unterstellung, verbaler Übergriffigkeit, Stigmatisierung und Diskriminierung erfahren.

Es ist ein Problem, wenn ein Mensch sich anhören muss, wie fett doch seine Beine seien, oder er halt nur weniger essen müsse, dann seien alle Probleme gelöst, die Ursache für das Mehrgewicht aber weder in mangelnder Bewegung noch im Essverhalten liegt, sondern hier eine Krankheit unentdeckt und unbehandelt bleibt, nur weil ein Arzt jemanden stigmatisiert hat.

Natürlich ist es an mir selbst, diesem Menschen die Grenze aufzuzeigen (die hier definitiv überschritten wurde). Aber das eigentliche Problem ist, dass Denkmuster, Meinungsbilder und Ausbildungsinhalte individuelle Problemlagen, Empathie und Entstigmatisierung nicht berücksichtigen.
Ein sehr ähnliches Problem unter allen Menschen (Gesellschaft) > Sehen, abstempeln, fertig. Blicke im Bus > Stempel. Blicke in der Sauna > Stempel… Das ist Alltag!

Auch hier kann ich Grenzen aufzeigen, aber das eigentliche Problem sitzt woanders. Gesellschaftliche Norm, Stigmatisierung durch fehlende Aufklärung, falsche Glaubenssätze, mangelnde Empathie, fehlende Selbstreflexion…

Es ist an der Zeit, dass es nicht an einem mehrgewichtigen Menschen hängen bleibt, selbstbewusst zu sein, sich abzugrenzen und Grenzen aufzuzeigen. Sondern es ist an der Zeit, dass mehr und bessere Aufklärung stattfindet, Empathie und Taktgefühl/Respekt auf einem Stundenplan stehen, und sich Schönheitsideale/Meinungsbilder öffnen…

I hope so!